Geschichtsblatt des Monats April

21. April 1945. Zu diesem Zeitpunkt am Ende des Krieges waren viele Hartmannsdorfer bereits geflohen, u.a. auch in den Kessel von Halbe. Manche hielten sich in den Kellern ihrer Häuser oder den angrenzenden Wäldern versteckt. So auch Gretchen Holpert, die damals 15 Jahre alt war und noch Krüger hieß. Gemeinsam mit ihrem Vater, dem Bürgermeister Fritz Krüger, ihrer Mutter Marie Krüger und ihrem Bruder Kurt war sie in einer Försterei untergekommen. „Wir hatten Angst vor dem Beschuss“, sagt Margarete Holpert.
An jenem 21. April traute sich Bürgermeister Krüger wieder ins Dorf. Die SS-Einheiten waren abgezogen. Da traf ein Vorauskommando der Roten Armee im Ort ein. Ein Kommandeur verkündete dem Bürgermeister, dass Hartmannsdorf demnächst eingenommen werden würde und die Leute weiße Laken aus den Fenstern hängen sollten. Für Fritz Krüger war der Krieg zu Ende. „Der Bürgermeister klopfte an Türen und forderte die Leute auf, weiße Tücher aus den Fenstern zu hängen“, sagt Angela Kiefer-Hofmann, die sich lange Zeit mit dem Massaker von Hartmannsdorf befasst, Archive besucht, Zeitzeugen befragt und über die letzten Kriegsereignisse in der Region Bücher geschrieben hat. Die Nachricht von der bevorstehenden Einnahme des Ortes verbreitete sich in Windeseile.
Auch Fritz Krüger, seine Frau und sein Sohn Kurt kehrten ins Dorf zurück. Tochter Gretchen blieb bei einer alten Frau, deren Mann noch im letzten Moment zum Volkssturm eingezogen worden war. Das tragische war, dass nicht die sowjetischen Soldaten kamen. In Hartmanndorf flatterten weiße Fahnen, und die SS kehrte zurück. Im Dorf erzählte man sich später, dass die Bewohner bei der bereits abrückenden SS verraten worden seien.
Damals gab es den sogenannten Flaggenbefehl. Darin hatte SS-Chef Heinrich Himmler Anfang April 1945 angeordnet, in jedem Haus mit weißer Fahne die männlichen Bewohner zu erschießen. Doch die SS erschoss und erschlug in Hartmannsdorf jeden, den sie antraf. Frauen, Kinder, alte Männer. Auch Margarete Holperts Mutter und ihr Bruder Kurt, die sich im Keller einer Nachbarsfamilie befanden, wurden erschossen. Ihr Vater Fritz Krüger befand sich zu diesem Zeitpunkt hinter einer Scheune bei seinem Pferdefuhrwerk mit dem Besitz der Familie. Er blieb unverletzt.
„Ich weiß noch, dass mein Vater mich im Morgengrauen aus dem Bett holte. Ich sollte schnell machen, Mutter und Kurtchen seien tot“, erzählt Gretchen Holpert. Sie habe damals gar nicht lange über den Verlust nachdenken können. Zwei Tage hielten sich Vater und Tochter in einem Erdloch im Wald versteckt. Immer in Angst, erschossen zu werden. Erst am 25. April wurde Hartmannsdorf von der Roten Armee besetzt. Ein Gedenkstein steht heute am Massengrab, in dem auch Marie Krüger und Sohn Kurt liegen.
Über die Mörder gibt es nichts. Es habe auch nach dem Krieg keine Ermittlungen gegeben, kein Schuldiger sei gesucht worden.

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